Tiergestützte Pädagogik ist eine innovative Methode, bei der die Wirkung von Tieren auf Menschen gezielt im Schulalltag eingesetzt wird. In der sogenannten Canepädagogik begleiten speziell dafür ausgebildete Schulhunde die Schülerinnen und Schüler im Unterricht. Wie und warum unterstützen die Klassenhilfen auf vier Pfoten die Kinder beim Lernen?

Voraussetzungen und Abklärungen für einen Schulhund

Der Schulhund wird nicht einfach mitgebracht, damit er in der Schule gehütet und wie ein Kuscheltier behandelt werden kann. Erfolgreiche tiergestützte Pädagogik erfordert einen speziell ausgebildeten Hund und eine Weiterbildung der Lehrperson, die mit ihm arbeitet. Das Integrieren eines Hundes in den Schulalltag muss in Absprache mit allen Beteiligten erfolgen, das heisst, auch die Eltern müssen einverstanden sein und allfällige Tierhaarallergien bei Schülerinnen und Schülern müssen abgeklärt werden.

Wirkung der Schulhunde auf die Klasse und die einzelnen Schüler

Selbstregulierung der Klasse

Zum Schutz des Hundes werden im Klassenzimmer Regeln aufgestellt. Zum Beispiel, dass wegen des empfindlichen Gehörs des Hundes kein Lärm gemacht wird. Dies führt dazu, dass die Kinder ruhiger und achtsamer werden, wenn der Hund im Unterricht dabei ist. Sie befolgen die Regeln dem Hund zuliebe, weil sie ihm nicht wehtun möchten. So lernt die Klasse ganz nebenbei, sich selbst zu regulieren und sich an Vorschriften zu halten.

Nicht nur die jüngeren Schüler schätzen Schulhunde…

Höhere Konzentration durch Stress- & Angstreduktion

Doch Schulbegleithunde sorgen noch aus anderen Gründen für ein konzentrierteres Lernklima. Die Forschung zur Mensch-Tier-Beziehung hat ergeben, dass das Streicheln eines Hundefells zur Ausschüttung des Hormons Oxytocin führt, das für den Stressabbau und die Regeneration bei Menschen verantwortlich ist. Ein Schulhund senkt demnach mit seiner Anwesenheit signifikant das Stressniveau von Kindern, was auch die Mensch-Tier-Forscherin Andrea Beetz festgestellt hat (vgl. SRF „Einstein“ vom 28.04. 2011). In ihrer Studie mussten die Kinder einen Vortrag halten. Einige der Kinder erhielten einen Hund zur Unterstützung, andere ein Stofftier oder einen hilfsbereiten Studenten. Mittels Speichelproben wurde der Stresslevel der Kinder vor, während und nach ihrem Vortrag gemessen. Die Ergebnisse bestätigen, dass das Stressniveau bei denjenigen Kindern, die einen Hund dabei hatten, kaum anstieg, am wenigsten bei denen, die den Hund vor ihrem Vortrag ausgiebig gestreichelt hatten. Nach Beetz muss ein Schulbegleithund jedoch richtig eingesetzt werden. Wird ein Hund vor und während Stresssituationen eingesetzt, zeigen sich bessere Wirkungen auf das Befinden des Kindes, als wenn das Tier erst zur Belohnung nach der erbrachten Leistung dient.

Steigerung des Selbstvertrauens

Positive Effekte während herausfordernden Situationen zeigt ein Schulbegleithund auch bei einem Schüler, der Schwierigkeiten mit Lesen hatte, entmutigt war und sich nicht mehr an die Lese- und Schreibaufgaben herantraute (vgl. ZDF „Menschen das Magazin“ vom 24.10.2015). Durch die neuen Vorlesestunden, in denen er dem Schulhund Seite für Seite vorliest und den Hund währenddessen streicheln kann, ist er motivierter und macht Fortschritte. Ist der Schulhund in seiner Nähe, entspannt er sich und kann sich besser konzentrieren.

Hunde gehen vorurteilsfrei auf alle Kinder zu, sind nicht nachtragend und geben den Kindern mit ihrer authentischen, offenen und berechenbaren Art Sicherheit. Scheue, verhaltensauffällige und hyperaktive Kinder, die in ihrer Klasse oftmals eine Aussenseiter-Rolle einnehmen, fassen Vertrauen im Umgang mit dem Schulhund und fühlen sich bedingungslos angenommen. Indem sie den Hund beispielsweise kleine Kommandos ausführen lassen, können Kinder mit Sprachschwierigkeiten ihre Sprache unverkrampft und ohne Versagensängste benutzen. Dass der Hund ihre Befehle versteht und befolgt, sorgt für kleine Erfolgserlebnisse und die Kinder gewinnen dadurch, dass sie beim Tier etwas bewirken können, mehr Selbstbewusstsein.

Hunde im Einsatz in Therapie und Sozialtrainings

Nicht nur am Beispiel der Schulbegleithunde in Kindergarten und Grundschule wird die positive Wirkung von Tieren auf die Sozialisation und das psychologische Befinden von Menschen ersichtlich. Auch in Therapien und Interventionen kommen vermehrt Tiere zum Einsatz, beispielsweise bei Sozialtrainings im Strafvollzug oder in Spitälern und Altersheimen.

Habt Ihr Erfahrung mit einem ähnlichen Projekt? Wir sind gespannt auf Eure Berichte und Kommentare.

Quellen

http://www.tierisch-gut-lernen.ch/Haeufige-Fragen/FAQ/
http://schulhunde-schweiz.ch/?page_id=424
http://www.kinder-und-tiere.de/schule-und-tiere/hunde.html
http://www.kinder-und-tiere.de/schule-und-tiere/studien.html

Film: Schulhund George – https://www.youtube.com/watch?v=sLojgY3JGyQ
Bild: www.pixabay.com