Eine gewisse Ähnlichkeit besteht bei Partnern tendenziell von Anfang an. Das macht wohl auch die Attraktivität aus, sowohl vom Aussehen her, als auch von den Einstellungen und Interessen. Wir sind nicht so unterschiedlich, wie wir denken, nur dass man dies von außen bei anderen Paaren viel deutlicher sieht als bei sich selbst und dem eigenen Partner.

Zusätzlich werden wir uns im Laufe der Zeit tatsächlich auch ähnlicher. In Sachen Kleidungsstil bis hin zu dem klassischen Beispiel des Partnerlooks, der gleichen Regenjacke und Hobbies, wir gehen zusammen tanzen oder zum Golf. Das mag einem ja auch noch irgendwie einleuchten. Überraschender ist es da schon, dass wir uns auch in Eigenschaften, Meinungen und sogar im Aussehen angleichen!

Bewusste und unbewusste Veränderungen

Die Veränderung gehen wir teilweise bewusst ein. Ja, ich mache auch mal bei Deinem Hobby mit, und schau mal, ob das auch was für mich ist. Viele Prozesse bei dieser Veränderung sind uns weniger klar. Im Gegenteil, wir Menschen wollen ungern fremdbestimmt sein, d.h. wenn ich das merken würde, wie sehr ich mich dir in Einstellungen und Eigenschaften angleiche, würde ich vielleicht sogar dagegen arbeiten. Dass wir uns dann ähnlicher werden, hat mehrere Ursachen.

Positive Resonanz durch Annahme und Bestätigung

Bestehende Ähnlichkeiten im Geschmack werden bestätigt. „Oh ja, nimm das Hemd, das sieht gut aus“ bei der Kleiderwahl. Ich kaufe also ein Hemd, das mir gefällt und dass meiner Partnerin gefällt und unser Kleiderschrank bildet so zunehmend die Schnittmenge unserer beiden Geschmäcker. Auch bei den Interessen verstärken wir durch gegenseitige positive Beachtung beim Partner die Sachen, die unserem Geschmack entsprechen, „Dieses Konzert, super Idee!“. Ebenso gibt es in der Meinungsbildung für ähnliche Sichtweisen eine positive Resonanz vom Partner oder überhaupt positive Gesprächsbereitschaft. Wir möchten gerne Bestätigung von unserem Partner, ja insgesamt, nicht nur in Partnerschaften. Annahme ist für uns Menschen sehr wichtig. Unterschiedliches wird nicht so verstärkt, erntet keine positive oder auch einfach gar keine Reaktion, und schwächt sich so mit der Zeit ab.

Nicht nur Meinungen und Kleidungsstil werden angepasst…

Die zur Verfügung stehende Information beeinflusst unsere Auswahl nicht nur an Kleidung sondern auch an Meinungen. Wenn wir uns mit dem Partner unterhalten und diskutieren, dann bildet das einen wichtigen Teil des Prozesses der Meinungsbildung. Wenn ich über Jahre bei Gesprächen und Diskussionen eher Meinungen und Informationen aus einer Denk-Ecke bekomme, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass meine Sichtweise sich eher zu dieser Ecke hin bewegt.

Die körperliche Ähnlichkeit, die ja viel verblüffender ist, kommt daher, dass wir unser Leben ähnlich gestalten, was Bewegung und Ernährung angeht, wie wichtig uns z.B. zusammen kochen oder viel Bewegung an frischer Luft ist, und dann gleichen sich Figur und Bräune auch ein bisschen an.

Durch das Angleichen entsteht über die Zeit eine Harmonie im besten Sinne. Reibungen und  Klärungen sind nicht mehr dauernd nötig, das ist energiesparend, man kennt sich. Es ist identitätsstiftend als Paar, das macht uns aus. Eine ganz positive Entwicklung kann es sein, dass eine Beruhigung  eintritt, dass schwierige /trennende Eigenschaften sozusagen ein wenig abgeschliffen werde, und davon können wir dann auch außerhalb dieser Beziehung profitieren. Ein schönes Beispiel hierfür sind die sogenannten „Healing Marriages“ (heilende Ehen), wenn ein Partner mit einer psychischen Krankheit eine Partnerschaft mit einem ganz stabilen, gesunden Partner hat, dann kann das den Verlauf der Krankheit ganz günstig beeinflussen. Dies kann bei zwei problembeladenen Partnern jedoch nach hinten losgehen!

Bedeutet Anpassung Identitätsverlust?

Wie viel Annäherung ist denn in Ordnung? Mein Partner bittet mich nun zum Beispiel, dieses Kleidungsstück nicht zu tragen oder jene Gewohnheit aufzugeben – darf ich, soll ich dem nachgeben? Wie viel Annäherung gesund ist und wann es zu weit geht, kann man anhand von 3 Aspekten prüfen:

  • Wie wichtig ist mir das selbst? Ist das mein Lieblingskleidungsstück, ist diese Gewohnheit ein Teil meiner Identität? Erlebe ich es als großen Verlust, große Einschränkung?
  • Wie wichtig ist es meinem Partner? Mache ich ihm oder ihr damit eine große Freude? Oder leidet sie oder er sehr darunter, wie es bisher ist?
  • Und wie ist es im Gesamtzusammenhang unserer Partnerschaft und unser beider Entwicklung einzuordnen? Kommt das ab und zu mal vor, oder fühle ich mich zunehmend ärgerlich und fremdbestimmt?

Manche Menschen laufen Gefahr, sich dominieren zu lassen, sich selbst in dieser Annäherung zu verlieren. Damit dies nicht passiert, hilft genau dann diese dritte Frage: Wie sieht es mit dem Gleichgewicht aus? Und wie geht es mir dabei? Zahle ich für die Annahme in der Partnerschaft und die Harmonie einen zu hohen Preis? Wenn man sich daraus nicht selbst befreien kann oder mir das in mehreren Partnerschaften immer wieder passiert, wäre eine professionelle Beratung vielleicht sinnvoll. Immer mal wieder auch einen Schritt zur Seite treten, sich mal Rückmeldung von guten (!) Freunden holen. Damit die eigenen Identität auch erhalten bleibt. Was wäre, wenn er oder sie plötzlich nicht mehr da wäre?

Was der Volksmund sagt und wie es wirklich ist

Bei so viel Ähnlichkeit fragt man sich, was denn aus den Paaren wird, die sich stark unterscheiden. Haben die überhaupt eine Chance, lange zusammen zu bleiben? Es gibt die Sprichwörter: Gleich und gleich gesellt sich gern vs. Gegensätze ziehen sich an. In Studien zeigt sich, dass die Gegensätze eher den Reiz am Anfang, die Spannung ausmachen, für eine dauerhafte Bindung aber die Gemeinsamkeiten günstiger sind. Wenn starke Unterschiede bei einem Paar vorhanden sind, dann müssen diese zusammenpassen, sich also so ergänzen wie Schlüssel und Schloss, z.B. ein Ehemann, der sehr gerne alleine mit dem Motorrad unterwegs ist und eine Ehefrau, die froh ist, wenn sie dann mal Zeit für sich in Ruhe daheim hat. Andernfalls kann das, was man am Anfang so spannend fand, mit der Zeit zum Reizthema werden. Ganz klassisch begegnet uns dies immer wieder in Partnerschaftsberatungen: „Du bist so voller Energie!“ wird mit der Zeit zu „Du bist so anstrengend!“ und „Er macht prima mit“ wird zu „Er ist so passiv, ich wünschte, es käme von ihm mal ein Vorschlag!“

Langweilig muss es jedoch auch bei ähnlichen und sich immer ähnlicher werdenden Paaren nicht werden. Wichtig ist, dass wir als Paar dabei offen sind für neue Eindrücke und andere Sichtweisen von außen, uns also gemeinsam inspirieren lassen und uns weiterentwickeln.

 

Autorin: Andrea Hillenbrand, www.andrea-hillenbrand.de