Manch ein Referent ist zwar fachlich kompetent, vermittelt den Inhalt aber furchtbar eintönig. Spätestens nach einer Stunde des Zuhörens, hängen diverse Teilnehmer sichtlich ab, können keine Informationen mehr aufnehmen und langweilen sich zu Tode.

Wie aber, kann man das Publikum so motivieren, dass es locker zwei Stunden zuhören kann?
Primär erreicht man dies, indem man abwechselnd verschiedene Lernkanäle anregt und dadurch die Konzentration immer wieder neu aktiviert.

Was braucht es für einen guten Vortrag?

Natürlich spielen für einen guten Vortrag – nebst relevantem Inhalt – der Aufbau, die Methoden, ein guter Teaser am Anfang, eine Prise Humor und verbale sowie non-verbale Aspekte eine wesentliche Rolle. Ich möchte in diesem Blogbeitrag jedoch lediglich auf die Methodenwahl eingehen.

Der Klassiker

Heute werden Vorträge meistens durch Powerpoint-Präsentationen unterstützt. Wer sich für diese Methode entscheidet, sollte vor allem auf 3 Dinge achten:

  • Die Powerpoint-Präsentation auf keinen Fall (nur) ablesen:
    Abgesehen davon, dass die Teilnehmer selber lesen können, wirkt das Ablesen höchst langweilig.
  • Zu viel Text kann kognitiv nicht aufgenommen werden und wirkt ermüdend. Daher lautet die Devise: Weniger ist mehr.
    Oft reichen nur Stichworte. Den Rest erklärt der Redner dazu.
  • Wer mit Powerpoint-Präsentation arbeitet, sollte auf jeden Fall da und dort ein Bild einfliessen lassen.
    Es darf auch gern ein humorvolles Bild sein. Das lockert auf und die Informationen werden somit besser gespeichert, da emotional verankert .

Wer bezüglich Präsentations-Technik ausschliesslich bei den Folien bleibt, hat dennoch Ausweichsmöglichkeiten, um etwas Abwechslung in den Vortrag rein zu bringen. Zum Beispiel kann man eine Frage oder eine Anregung projizieren und das Publikum in kleinen Murmelgruppen austauschen lassen. Diese Abwechslung hat ebenso viel Wirkung wie eine Pause, da der Fokus der Konzentration verändert wird.

Alternative Methoden

Wenn das Publikum nicht zu gross ist, eignen sich auch lustvoll-spielerische Alternativen zur Powerpoint-Präsentation. Barbara Messer zeigt hier drei Beispiele in ihrem Video:

Mit alternativen Methoden, wie sie hier gezeigt werden, weckt man nicht nur die Neugierde der Teilnehmer, sondern schafft durch die metaphorische Symbolsprache einen Anker. Das heisst, die Zuschauer/Zuhörer können sich obendrein besser an den Inhalt des Vortrags erinnern.

Ein Allrounder: Das Flipchart

Wer gern etwas Abwechslung in seinen Vortrag bringen und das Publikum mit einbeziehen will, kann mit einem Flipchart viel bewirken. Ich nutze dieses Tool immer ergänzend zur Powerpoint-Präsentation und verwende es zu ganz unterschiedlichen Zwecken…

  • Festmachen: Antworten aus dem Publikum stichwortartig aufschreiben.
  • Entwickeln: Eine Sache skizzierend am Flipchart erklären.
  • Entdecken: Ein vorbereitetes Flipchartblatt sukkessive zu den Erklärungen aufdecken.
  • Gruppenarbeit: Diskussionsergebnisse in den Gruppen auf den Flip-Blättern aufschreiben lassen.
  • Ergänzen: Ein vorbereitetes Flip-Blatt/Thema mit Bildkarten während der Präsentation ergänzen/ergänzen lassen.
  • Rotieren: Publikum in Gruppen aufteilen und von Flip zu Flip wandern, diskutieren und ergänzen lassen.
  • Kleben: Bei Einschätzungsfragen, die Teilnehmer Klebepunkte auf das Flip-Blatt kleben lassen.

Die Liste könnte beliebig weiter geführt werden. Wichtig ist, dass man die Flipchartblätter nicht nur mit Text befüllt, sondern da und dort mit Symbolen, Bildern oder mindestens einem Rand (mit etwas Schattierung) versieht. Das wirkt gleich professioneller. Selbst ein Blatt, das ich während des Vortrags entwickle, kann ich vorgängig mit einer Umrandung versehen, was für das Auge gleich angenehmer/abgerundeter wirkt.

Es lohnt sich, für die Darstellung der Flipcharts, einen kleinen Kurs zu besuchen, damit man das volle Potential dieses Tools nutzen kann. Man wird schnell erkennen, dass man kein Zeichenkünstler zu sein braucht, um grosse Wirkung zu erreichen. Ein paar wenige Tricks, ein paar gute Stifte und etwas Wachsmalkreide für die Schattierungen – und es kann losgehen…

Methodenmix und die Wichtigkeit der Bild- und Symbolsprache

Egal, welche Methode ich als Kursleiter/Referent bevorzuge: Wenn ich das Publikum ausschliesslich mit Worten zutexte, wird die Aufmerksamkeitsspanne nicht lange dauern. Bilder sind daher unverzichtbar. Ziel von Visualisierung ist nicht Schönheit, sondern eine andere Form der Kommunikation. Wort und Bild sind Partner mit zwei unterschiedlichen Aufgaben: Das Wort transportiert Sachverhalte, das Bild unterstützt, emotionalisiert, verknüpft oder verdeutlicht. Mit visueller Sprache aus Text und Bild erreichen wir Teilnehmende in den Seminaren und Workshops auf viel direktere Art als nur mit gesprochenem Wort und setzen einen Erinnerungs-Anker. Bilder eröffnen den Teilnehmenden zudem neue Zugänge zu den Themen, Prozessen und Ressourcen und auch im Austausch helfen sie, intuitiv Gespürtes besser zum Ausdruck zu bringen.

Der Mensch, das Augenwesen, braucht das Bild.

Leonardo da Vinci

Das Gehirn ist ein bildgebendes Organ.

Gerald Hüther

Quellenangaben

Fotoquelle (Blog-Eingangsfoto): Susanna Vogel-Engeli

Infoquellen zu Blogartikel

  • Daniela Arnold: Was hat Bewegung mit erfolgreichem Lernen zu tun?, BoD, 2013
  • Jenny Heerdegen: Visuelle Kommunikation, GRIN, 2004
  • Peter Sammer/Ulrike Heppel: Visual Storytelling, O’Reily, 2015
  • Stefanie Geise: Vision that matters, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien, 2011
  • Manfred Bruhn/Franz-Rudolf Esch, Tobias Langner (Hrsg.): Handbuch Kommunikation: Gundlagen – Innovative Ansätze – Praktische Umsetzungen, Springer-Verlag
  • https://www.mpg.de/8848855/sinne_hierarchie: Erstmal gucken – Hierarchie der Sinne (Studie am Max Planck Institut), 2015