An Büchern, Artikeln und Seminaren um das Thema Ziel- und Zielerreichung fehlt es wahrlich nicht. Viele Menschen setzen sich aber erst bei lebensverändernden Projekten mit ihren Zielen auseinander. Die Zielfrage sollte jedoch weit öfter gestellt werden. Wer keine klaren Ziele formuliert, schiesst (in manchen Fällen plan- und konzeptlos, in anderen Fällen trotz Strategie) am Ziel vorbei, verliert Zeit und lässt sich schnell entmutigen, weil keine Zwischenziele absehbar sind und der Erfolg ausbleibt.

Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, weniger in Bezug auf das Ziel. (Friedrich Nietzsche)

Die Methoden und Wege zur Zielerreichung mögen sich je nach Charakter- und Lerntyp unterscheiden – bekanntlich führen viele Wege nach Rom – doch selbst „kreative Chaoten“, die sich schnell eingeengt fühlen, sollten klare Ziele formulieren, nachdem sie diese herausgeschält haben. Nicht selten kommt man mit der ersten Antwort nicht weiter. Es lohnt sich daher die Ziele hinter den Zielen zu erkennen und so an des Pudels Kern zu kommen. Je genauer die Antwort, desto grösser die Erfolgschance.

Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg. (Laozi)

Die Zielfrage in Beratung und Coaching

Zentrale Frage am Anfang einer Beratung oder eines Coachings ist nicht nur die Abklärung der Ausgangslage, sondern auch die des Ziels der Beratung/des Coachings.  In der lösungsorientierten/systemischen Arbeit wird interessanterweise nicht einfach danach gefagt, was denn das Ziel der Beratung sei, stattdessen wird die Zielfrage so gestellt, dass der Klient bereits durch seine Antwort, sich seines Ziels bewusst wird und erste Ressourcen erkennt.

  • Woran wirst Du merken, dass sich unsere Gespräche lohnen?
  • Was wirst Du anders machen, wenn Du Dein Ziel erreicht hast?

Eine zweite Tatsache, die in der Beratung/im Coaching hochspannend ist, ist die Annahme, dass der Mensch final handelt.Wenn wir davon ausgehen, dass ein Problemverhalten in seinem Kontext Sinn macht, können wir in der Beratung/im Coaching nicht nur die Kausalität eruieren (weshalb), sondern vielmehr die Finalität (wozu) erfragen. Wer nach dem WOZU fragt, versteht auch den Gewinn der Lebensgewohnheit und somit auch den Grund, weshalb das Verhalten (noch) nicht abgelegt worden ist. Solange der Gewinn für eine Handlungsweise grösser ist, als der Preis den man dafür bezahlt, ändert kaum jemand seinen Lebensstil.

Eine einzige Wortänderung generiert

zwei komplett verschiedene Antworten:

WESHALB wirft sich das Kind im Supermarkt an der Kasse heulend zu Boden?

WOZU wirft sich das Kind im Supermarkt an der Kasse heulend zu Boden?

Nicht die Erlebnisse diktieren unsere Handlungsweisen, sondern die Schlussfolgerungen, die wir aus diesen Erlebnissen ziehen.

(Alfred Adler)

Die Zielfrage in Kursen und Referaten

Im Kurswesen lohnt es sich folgende Zielfragen zu stellen, bevor man ein Thema zu einem Kurs oder Referat verarbeitet:

  • Wer ist mein Zielpublikum?
  • Was wissen die Teilnehmer/-innen nach diesem Kurs/nach diesem Referat?
  • Welchen Mehrwert haben die Teilnehmer/-innen durch den Besuch dieses Kurses/dieses Referats?

Anhand dieser Informationen kann man nicht nur die Ausschreibung sehr zielgerichtet formulieren, sondern kann den Kurs klarer aufbauen, so dass man den roten Faden im Auge behält.
Nach einem auflockernden Einstieg, eignet es sich, die Ziele des Kurses/des Referats dem Publikum zu präsentieren und am Schluss der Präsentation mit einem „final feliz“ (glücklichen Abschluss) den Bogen zum Anfang zu schlagen.

Die Zielfrage im (Online-) Marketing

Viele kompetente Berater und Trainer scheitern in ihrer Selbstständigkeit, weil sie sich nicht verkaufen können. Trotz Website und vielen Posts in den Social Media erhalten sie wenig Echo. Dabei begehen diese Berater und Trainer einen entscheidenden Fehler: Sie nutzen Methoden, Tools und Kanäle ohne sich die primären Zielfragen zu stellen:

Das Ziel definiert die Methode - nicht umgekehrt

Wer ist mein Zielpublikum? (je nach Zielpublikum braucht es eine andere Ansprache)
Was braucht/sucht mein Zielpublikum?
Welche Lösungen (Spezialisierung) zu den Problemen des Zielpublikums biete ich an?

Wer im Angebots-Dschungel auf den Social Media Kanälen auf sich aufmerksam machen möchte, sollte sich für das Online-Marketing auch folgende Frage stellen:

Welchen Mehrwert haben meine Posts für das Zielpublikum?

Wer durch Mehrwert auffällt, gewinnt das Vertrauen des Zielpublikums und hat die Gelegenheit, sich als Experte zu platzieren. Hier gilt die Devise: Qualität vor Quantität oder „weniger ist mehr“.

Quellenangaben

Winfried Berner: Finalität – Menschliches Handeln ist immer zielgerichtet: http://www.umsetzungsberatung.de/psychologie/finalitaet.php

Bildquelle: Pixabay